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Performance

Kunstverein Tiergarten, Galerie Nord, Berlin, 19. November 2016

Im Berliner Stadtteil Moabit wird ein Flagshipstore des fiktiven italienischen Luxusmodelabels Missioni eröffnet. Aus der Perspektive der Investorin verschaffe ich mir mit meinen Mitarbeitern einen Überblick über das Objekt. Mit großer Geste interveniere ich am Tag der offenen Tür des Kunstvereins Tiergarten in die Präsentation der aktuellen Planungen zum Umbau des Gebäudes in den Galerieräumen. Ich durchkreuze mit der Selbstverständlichkeit der Wirkmacht des Großkapitals die unterschiedlichen Entwürfe und überzeichne die Grundrisse nach den Expansionsbedürfnissen des Unternehmens. Mit einer spontanen Planzeichnung eigne ich mir buchstäblich die Substanz des Objektes an.

Begleitet von der italienischen Pressereferentin entwerfe ich die Ladenfläche in den Galerieräumen. Nach kommerziellen Kriterien wird Schaufensterfläche, die Bevölkerungsstruktur in Moabit und ihre potentielle Kaufkraft geprüft.

Ich lade die Gäste der Galerie ein, meinem Rundgang zu folgen, ich plane das Penthouse auf dem Dach, den Skulpturengarten im Innenhof und die Präsentation der Privatsammlung in den angrenzenden Gebäuden. Während der Führung mit den Teilnehmern der Präsentation durch die Räume des Kunstvereins wird die Historie des Ortes mit der Geschichte der Maulbeerbäume zur Seidenproduktion in Italien und Preußen und der Sammlung Modebild der Lipperheideschen Kostümbibliothek verschränkt und durch die Familientradition des Unternehmens der Kauf des Objektes legitimiert. Die stadtplanerischen Konsequenzen, bis zur Teilschließung des Flughafen Tegels, werden erläutert. Der Leiter des Kunstvereins wird zukünftig als Kurator die Privatsammlung des Familienunternehmens betreuen und als Berater für Ankäufe vorallem aus dem bestehenden Galerieprogramm tätig. Darauf stossen wir am Ende des Rundgangs an.

Der Ausverkauf Berlins durch ausländische Investoren wird im Gewand der Affirmation als Exempel statuiert.