DIE SCHIMMELREITERIN

Performance zur Eröffnung der Rauminstallation DIE GÄSTEZIMMER

Schloss Altranft, Werkstatt für ländliche Kultur, 20. Mai 2017

 

Aus der Perspektive der Schimmelreiterin führe ich mit wechselnden Identitäten durch

DIE GÄSTEZIMMER.

Was ist Anfang, was ist das Ende einer Geschichte? Was heißt heute?

DIE SCHIMMELREITERIN ist das exemplarische Motiv, welches in Anspielung auf die Novelle von Theodor Storm auf die Region des Oderbruchs als hochwassergefährdetes Gebiet und seine Geschichte verweist, den Blick für historische Bezüge öffnet, geschichtliche Verfremdungen einbindet und mit einer Performance zeitgenössisch verlebendigt.

Ich bewege mich ozillierend zwischen den Epochen und bin als “Nachgeborene” an der Wirkungsstätte meiner Ahnen zu Gast. Als persönliches Bindeglied transponiere ich die Historie des Ortes über die Gründung von Ranft, die Trockenlegung des Oderbruchs, die Erbauung des Schlossgebäudes, die Pfuhls, Marschalls, Hackes und Eschenbachs in die Gegenwart und Zukunft.

Der Schauspieler Thomas Bading adaptiert Theodor Storms „Schimmelreiter“ auf die Situation im Oderbruch, interpretiert die Zitate der Altranfter Bürger vom Museumsstammtisch an der TAFELRUNDE im Speisezimmer, liest aus Friedrich Nietzsches Aufsatz „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für die Lebenden“, liest den letzten Brief eines vermissten Soldaten aus Stalingrad an seine Braut, meine heute 100jährige Großtante Elfriede, und spricht die Ode von Friedrich Hölderlin „An Diotima“, zum Fenster gewandt, vor der Installation „ Ach und da, mein schöner Friede…“. Die Saiten der Geige fehlen.

Das Grammophon ertönt im Speisezimmer und die Spieluhr im Damenzimmer spielt die Dorfmusik.

Im Walzertakt geht es über die Schwelle durchs Foyer zur Treppe hinab. Die Gäste folgen. Der Schimmel hat vor dem Schloss grasend gewartet. Die Schimmelreiterin verlässt auf dem geschwungenen Weg zum schmiedeeisernen Tor den Park, ein Zweig mit frischem Haselgrün wippt im Bild. Das ist das Ende, sagt der Erzähler, oder der Anfang.

Der Hausmeister spielt wieder seine Lieder von der Oder auf dem Akkordeon. Manche singen mit, Einige klatschen.