LE TABLEAU VIVANT II (FEHLSTELLE)

Performance, Galerie Ostpol Berlin, 28.10. 2004

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In der Tradition des tableau vivant nahm ich den Platz einer der beiden Frauen des in den Galerieraum projizierten Bildes “Interieurs mit handarbeitenden Frauen” ein, eines Genrebildes von Willem Buytewech (1617) und habe Löcher in der Kleidung (Hemden, Hosen, Socken etc.) gestopft und geflickt, die von den Galeriebesuchern abgegeben wurden. Das Bild des privaten Haushalts habe ich durch eine bühnenartige Inszenierung in den Raum der Galerie verlagert. Dieser Raum war während der Performance für Besucher nicht begehbar. Durch die mit Folie bespannten Fenster ahnte man schemenhaft das Geschehen. Nur durch zwei bildgroße Ausschnitte war der Einblick von außen möglich. Wie in den Schaubuden der alten Jahrmärkte eröffnete sich der Blick in eine andere Welt.

Bei den alten Niederländern war die Darstellung der Frau mit der Handarbeit ein Sinnbild für geordnete Verhältnisse und bürgerlichen Wohlstand. In der Zeit Buytewechs entstand neben der Auftragskunst durch den florierenden Handel erstmals ein eigenständiger Kunstmarkt in den nördlichen Provinzen der Niederlande. Dieses Bild habe ich in einer Galerie für Gegenwartskunst in Berlin verlebendigt.

Die fehlerhaften Objekte konnten vor und während der Performance abgegeben und danach wieder in Empfang genommen werden. Kommunikation mit den Besuchern fand nur über die Kleidung und deren „Fehlstellen“ statt.

Durch die Zuwendung, den Einsatz an Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit erhielten die fehlerhaften Objekte eine Wertsteigerung und Werkcharakter.

Das Kunststopfen war kostenlos. In vier Stunden wurden 13 Fehlstellen behoben.

Künstlerische Assistenz: Marvin Altner
Lichttechnik: Nils R. Schultze
Styling: Kitty Kratschke, maske berlin
Kostüm: Maxim Gorki Theater