FLORA PFLÜCKT WILDE BLUMEN

Flora_pflückt_Blumen

Video, 3:34, loop

Kunst im öffentlichen Raum, Park am Gleisdreieck Berlin 2012 (Katalog, Jovis-Verlag)

In der antiken Mythologie personifiziert die Blumengöttin Flora den Reichtum der Natur und fungiert selbst als Sehnsuchtsmotiv voll entfalteter Schönheit. Botticellis Primavera, Ikone der Renaissancemalerei und eine der berühmtesten Flora-Darstellungen der Kunstgeschichte, erzählt die gewaltsame Verwandlungsgeschichte der Naturgöttin.[1]

 

FLORA PFLÜCKT WILDE BLUMEN! verlebendigt das Gemälde der antiken Göttin und ihrer Entourage in einem zeitgenössischen Bildmedium. Der lichte Hain der Orangenbäume des Gemäldes wird auf eine Anhöhe im Park am Gleisdreieck projiziert.

Der Jüngling als Primavera reinterpretiert die Ovid’sche Metamorphose vor dem Hintergrund aktueller Gender-Debatten: Der Windgott Zephyrus erblickt den Jüngling und macht seine “Gewalt” dadurch “wieder gut”, dass er ihn als (gleichberechtigten) Partner inthronisiert.

Das Videobild ist ambivalent: als romantisches Tableau inszeniert werden exemplarisch drei ‘Bildstörungen’ eingesetzt: die Jugendlichen mit dem Skateboard, die verschleierte Frau und der Parkwächter sind Protagonisten der Berliner Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Es bleibt in der Schwebe, ob das ‘schöne’ Bild, das der Realität enthoben scheint, bedroht oder beschützt wird, ob es Begegnung gibt oder die Welten getrennt bleiben.

Darsteller: Lukas Garmsen

Kamera: Michel Bonvin

Schnitt: Petra Lottje


[1] [W]ährend sie sprach, haucht sie Frühlingsrosen aus ihrem Munde: Chloris war ich, die ich [jetzt] Flora genannt werde. … und es war Frühling, ich irrte umher; Zephyrus erblickte mich, ich ging weg. Er folgte, ich fliehe, jener war stärker […] Die Gewalt machte er wieder gut dadurch, dass er mir den Namen der Gattin gab, und in meiner Ehe gibt es keinen Grund zur Klage. Stets genieße ich den Frühling, stets ist üppig blühend die Jahreszeit, die Bäume haben Laub und Nahrung stets der Erdboden. (Ovid, Metamorphosen)