DIE ERBIN

Performance anlässlich der Veranstaltung WAS NÜTZT DIE KUNST?

Verband der Kommunalen Galerien Berlin, Schwartzsche Villa, Berlin, 12. September 2016

 

Ich führe durch die Schwartzsche Villa in Berlin Steglitz, die einst einer Bankiersfamilie gehörte und schreibe mich erzählend in die Familiengeschichte ein. Als „Erbin“ lade ich das Publikum ein, an einer Besichtigung des Objektes teilzunehmen. Gerade von meinem Anwesen aus Italien zurückgekehrt, bin ich mit dem Erbe meiner jüdischen Vorfahren in Berlin konfrontiert. Ich wende ich mich an den langgedienten Hausmeister, mit dem ich dialogisch die Geschichte dieses Ortes entfalte. Sprunghaft kehrt die Erinnerung von Raum zu Raum zurück. Meine Großcousine ist auch zugegen. Ich zitiere leicht veränderte Textstellen aus W. G. Sebalds: „Die Ausgewanderten“- Vier lange Erzählungen. Ein junger Pianist, mein Neffe, den ich auf dem Familienfoto wiedererkenne, spielt zufällig zeitgleich im Salon die Ballade in As-Dur von Chopin, eine Komposition eigens zur Geburt der Enkelin des Bankiers. Erfundene Erinnerungen werden mit realen Motiven meiner Biografie verwoben. Faktisches fluorisziert mit Fiktivem. Mein Immobilienmakler aus Frankreich steht mir zur Seite und schätzt Grundstück, Haus und Inventar. Die eigens für diesen Besichtigungstermin engagierte Architektin schlägt Umbaumaßnahmen vor. Am Ende verweise ich auf die Familiengruft auf dem nahegelegenen Friedhof und beweise meine Existenz, indem ich das Publikum auffordere, zu schauen, ob ich dort schon liege.