Audiovisuelle Fotoperformance, Berlin 2026

HÄTTE KLAPPEN KÖNNEN ist eine audiovisuelle Fotoperformance, die zwischen persönlicher Imagination, politischer Realität und fiktionaler Erzählung oszilliert. Ellen Kobe inszeniert sich in einem performativen Shooting als Braut. Die Bilder folgen dabei dem vertrauten visuellen Repertoire einer Hochzeitsfotografie: Pose, Kleidung, Körper und Gesten erzeugen die Vorstellung eines Ereignisses, das zugleich stattfindet und nicht stattfindet. Die fotografische Inszenierung wird zur Bühne für eine Geschichte, deren Ausgang offenbleibt.

Auf der Tonspur ist eine Email an Amos Animé zu hören, einen fiktiven Liebhaber, der aus dem Kriegsgebiet im Iran stammt. Eine persönliche Stimme spricht von Nähe, Sehnsucht und der Möglichkeit einer Beziehung, während der imaginierte Adressat abwesend bleibt. Realität und Fiktion verschieben sich: Die Email ist erfunden, die politischen und geografischen Bedingungen, auf die sie verweist, sind real.

Der Titel HÄTTE KLAPPEN KÖNNEN benennt einen Möglichkeitsraum. Er verweist auf etwas, das hätte geschehen können, aber nicht geschehen ist – und gerade dadurch als Vorstellung präsent bleibt. Die Abwesenheit des anderen wird zum Ausgangspunkt einer Erzählung, die sich zwischen dokumentarischem Bild und autofiktionaler Konstruktion bewegt. Was ist wahr an einer Geschichte, die nicht stattgefunden hat? Und welche Wirklichkeit kann eine Fiktion entfalten?

Kobe interessiert dabei weniger die Auflösung dieser Fragen als die Verschiebung, die durch sie entsteht. Das fotografische Bild behauptet Anwesenheit, während die Erzählung von Abwesenheit handelt. Aus diesem Widerspruch entsteht ein Imaginationsraum, in dem sich persönliche Geschichte und globale Gegenwart überlagern.


Fotografie: Marina Polovinkina
Sprecherin: Claudia Geisler-Bading